Donnerstag, 30. März 2017

Passt auf euch auf, lasst euch helfen

Schon öfter habe ich euch berichtet, dass ich mich in meiner Rolle als Sternenmama mittlerweile gut eingelebt habe. Ich habe akzeptiert was passiert ist und kann mittlerweile mit ziemlich viel Stolz hoch in die Sterne gucken und denken, was ich doch für eine tolle Tochter da oben habe.
Ob andere mich als Mama sehen ist mir egal, ich bin es und gut ist. Auch damit kann ich mittlerweile sehr gut leben.
Neidisch auf Schwangere bin ich immer noch, aber ich hatte mittlerweile schon wieder öfter selbst mit Hochschwangeren zu tun und was soll ich sagen... ich habe es überlebt ohne danach heimlich irgendwo in Tränen auszubrechen. Ich gehe raus , mein Leben ist wieder erschreckend normal und ich genieße es in vollen Zügen, denn es ist ein Geschenk! Ich weiß, dass es auch ganz anders hätte ausgehen können, dass ich zerbrochen in irgendeiner Ecke einer Einrichtung sitzen könnte und dem Leben keinen Sinn mehr abgewinnen könnte. All das war eine Gradwanderung, ein Seiltanz und für viele Mütter mit dieser Erfahrung ist dies danach traurige Realität.
Ich hatte das Glück, dass ich die Sonne im Sturm erahnen konnte, habe mich an den kleinsten Strahl gehangen und nun steh ich hier im Warmen und bin am Leben.
Meine Wunden die ich davon getragen habe heilen. Was anfangs nur grob zusammengehalten wurde von ein paar Nähten und an vielen Stellen weitauseinander klaffte hat sich verändert.
Ich sage nicht, dass es leicht war. Ich habe viele Stunden damit verbracht diese Wunde zu betrachten. Habe immer wieder kleinste Bereiche zusammengebastelt. War ich an einer Stelle fertig, ist so oft eine andere Stelle wieder aufgegangen. Zum Glück habe ich als Kind gerne gepuzzelt, also habe ich mit Geduld immer wieder von neuem begonnen diese Seelenwunde zusammenzuflicken. Irgendwann hat sich eine zarte Kruste gebildet unter der es alles etwas schneller heilen konnte. Dennoch habe ich mich immer noch täglich davor gesetzt und sie gepflegt. Ihr geholfen, wenn sie gespannt hat, an manchen Stellen schmerzhaft leicht geblutet hat. Irgendwann hat sich die Kruste angefangen zu lösen. Die Wunde untendrunter hatte sich verschlossen, war zur Narbe geworden. Ich hatte noch nie die beste Wundheilung, ich spüre die Narbe, aber ich gehe immer  noch täglich zu ihr, diesem Wunden-Wunder. Sie ist schön, ich betrachte sie als eine Art Kunstwerk, sie gehört voll und ganz zu mir. Sie erinnert mich an das was ich verloren habe aber auch was ich gewonnen habe und wie ich bereits sagte: Es ist okay!
Ich streue etwas Glitzer über die Narbe und winke zum Himmel hoch, guck mein Goldstück, du bist immer noch hier unten bei Mama!

Was ist mit den Menschen um mich? Können sie es auch von sich sagen? Die, die mein Verlust ebenfalls sehr hart getroffen hat?
Tatsächlich habe ich bei einigen nicht den Eindruck. Aber wie auch? Während ich mich mit meiner Trauer und meinem Verlust intensiv beschäftigt habe, waren diese weiter in einer Art Schockstarre, haben mitangesehen wie ich hilflos am Boden lag, K.O. in der ersten Runde, ausgeknockt vom Leben. Ich glaube in ihren Köpfen ist gar nicht angekommen, dass auch sie einen Verlust erlitten haben, den es aufzuarbeiten gilt, denn ihrer Ansicht bin nur ich es die leiden darf. Eine Grenze in ihren Köpfe, haben sie denn nicht das gleiche Recht zu leiden und zu heilen?
Meiner Meinung nach doch und es ist so wichtig. Ich habe den Eindruck, sie sehen gar nicht wie gut es mir heute wieder geht, denn in ihren Köpfen ist einfach nur die Trisomie18, der Fetozid, die stille Geburt, meine Trauer. Nicht meine Heilung, mein Weg durch die Trauer und diese unbändige Liebe zu meiner Tochter. Der Schock, dass mir DAS passiert ist, sitzt bei ihnen zu tief und sie verdrängen ihn, tun so als ob er nicht zu Ihnen gehört. Jeder ihrer Gedanke daran ist wie ein Zusammenzucken in einem Horrorfilm. Die Projektion ihres Schmerzes auf mich ist leichter, lässt den Schmerz, den ich nicht mehr habe, vermeintlich bei mir. Ihnen fehlt mein Entwicklungsschritt, sage ich, dass ich eigentlich wieder ganz glücklich bin, ist das mehr ein kopfschüttelndes, mitleidiges Etwas, denn sie können sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es wirklich so sein könnte. Es ist ein Oxymoron für sie, etwas was sich nicht vereinen lässt, was ich da sage, kann es für sie nicht geben, denn es liegt jenseits ihrer Vorstellungskraft.
Für mich ist das alles greifbarer, klar, mir ist es ja auch passiert. Aber dadurch lässt es sich für mich leichter verarbeiten. Für mich war der Schock real, für sie sureal. Mit Tatsachen und Erlebtem kann man sich auseinander setzten, mit einem Gedankenschock ist das weitaus schwieriger. Wäre es leichter gewesen, wenn sie meine Tochter hätten sehen und halten können? Sich auch real von ihr verabschieden hätten können? Hätte es diesen riesen Schock für sie verdaubarer gemacht?
Es hat Spuren im Leben anderer hinterlassen und das tut mir furchtbar leid!
Ich wünsche mir sehr, dass auch Angehörige besser auf sich aufpassen in so einer Situation, mehr Hilfe bekommen. Für die trauernde Mama und den trauernden Papa ist es definitiv am Schlimmsten aber Ihnen gesteht man so viel leichter zu, dass sie Zeit und Hilfe brauchen dies aufzuarbeiten.
Die anderen wollen zusätzlich stark sein und sprechen es sich ab Hilfe zu benötigen, denn es ist ihnen schließlich nicht selbst passiert.
Doch, es ist ihnen selbst passiert, ihr seid an unserer Seite, ihr habt euch mit uns auf die Babys gefreut und habt es mit uns Sterneneltern verloren. Nicht nur wir Eltern habe hier etwas aufzuarbeiten! Lasst euch helfen, redet darüber was euch und nicht nur uns dabei passiert ist, denn ihr habt definitiv einen Streifschuss abbekommen. Das gilt wirklich für jeden Angehörigen in so einem Fall, nicht nur den Eltern passiert dieses Schicksal auch ihr verliert etwas geliebtes. Keiner sagt, dass ihr die Eltern beleidigt damit, wenn ihr sagt, dass auch ihr nicht mit der Situation zurecht kommt. Niemand glaubt von euch, dass ihr die Bühne des Elends als eure missbraucht. Wir die trauernden Eltern lieben euch für eure Anteilnahme und wollen, dass auch ihr mit einer Narbe weiterlebt, nicht mit einer versteckten offenen Wunde durch das kommende Leben lauft, die sich irgendwann entzündet und so nie heilt. Passt auf euch auf!


Freitag, 24. März 2017

Brief an meine Tochter

Mein Goldstück,
gestern Nacht habe ich wieder von dir geträumt. Ich liebe es zu schlafen, denn im Traum bist du bei mir, besser gesagt, ich bin bei dir. Ich sehe dich, du bist gewachsen und heute Nacht hatte ich dich auf dem Arm. Bin wippend und singend mit dir auf und ab gelaufen und hab das Nasen-Klau-Spiel mit dir gespielt, dass du bei Papa so liebst.
Dann kam einer mit einem Baby, ein Engel?, kann sein. Diesen Traum hatte ich ja schon öfter mit dir. Nur dieses Mal bin ich auf ihn zugelaufen und habe das Baby genommen und hatte euch beide auf dem Arm. Ich war glücklich, du und dein Geschwisterchen, perfekt, ich habe dir einen Kuss gegeben und wir haben uns deinen Bruder genauer angeguckt.
Während du im Traum leicht wie ein Feder bist, habe ich sein Gewicht gespürt. Ich war stolz, dass ich ihn endlich genommen habe. Du allein weißt, dass ich den Kerl mit Baby letztes Mal angeschrien habe, er soll endlich gehen, denn ich will nicht wieder etwas annehmen, was mir ja doch wieder weggenommen wird. Er war schon öfter bei uns, aber ich habe dem Kerl nicht vertraut, dennoch kam er immer wieder.
Gestern war es, als ob du mir einen Schubs gegeben hast. Und plötzlich war da dieses Vertrauen, dass er mir das Kind bringt und nicht holt und ich habe es genommen.
Dann bin ich aufgewacht und habe über dich und mich nachgedacht. Bin ich eine gute Sternenmama für dich?
Ich bin in einem Forum für Trisomie18 Kinder und Eltern. Ein kleine Trisomie18 Familie, die leider immer größer wird. Hat man Fragen, Ängste,Sorgen kann man sich dort allen anvertrauen, man kennt sich und ist doch anonym. Alle sind dort zusammen, die, die ihre Kinder ausgetragen haben, die, die Schwangerschaft beendet haben, Eltern mit toten Trisomie18 Kindern und welche mit lebenden.
Manchmal frage ich mir wie es wäre, wenn ich anders entschieden hätte, wenn ich abgewartet hätte  und einfach geguckt hätte ob du lebend auf die Welt kommst oder nicht. Und dann denke ich an meine Freundin Rosa. Spürt eine Mama ob es reicht? Ob die Zeit für das eigene Baby gekommen ist bei so einer Krankheit?
Du, mein Schatz hast über Wochen kein Gramm mehr zugenommen, deine Herztöne immer schwächer, immer schlechter, deine Organe, keins war unauffällig. Aufgegeben hast du trotzdem nicht.
Meine Freundin Rosa war krebskrank und ist letztendlich an Multiorganversagen gestorben. Das alles ging rasend schnell, kurz vor ihrem Tod war ich bei ihr im Krankenhaus, sie hatte Schmerzen, es ging ihr schlecht... sie wollte sterben, sagte, dass alles besser ist als dieses mit Schmerzmittel zugepumpe, es solle einfach aufhören, es wäre doch eh längst vorbei. Sie hat aufgegeben, ihr Körper noch nicht. Neben ihr lag eine Dame mit Knochenkrebs, sie lag seit Jahren immer wieder dort. Ich wollte es nicht hören, half ihr beim Haare waschen, redete ihr Mut zu, dass das Leben doch schön sei, sie nicht aufgeben dürfte. Aber Rosa hat gelächelt und gemeint, sie würde sich wünschen das die Sterbehilfe erlaubt wäre, aber das könnte ich nicht verstehen.
An diesen Moment musste ich bei meiner Entscheidungsfindung zurück denken, mein Schatz. Ich musste daran denken wie sehr sich diese so tolle Frau den Tod gewünscht hat, sie war auch stark mein Engel, genau wie du. Sie hatte mir beschrieben, wie es sich anfühlt, wenn du merkst, dass dein Organe nicht mehr können. Sie hatte trotz Morphium Schmerzen. Das wollte ich dir nicht antun, ich konnte es dir nicht antun.
Mamas größte Angst war, dass du auch nur 5 Minuten leiden musst, ich hätte es mir nie verzeihen können. Im Inneren glaube ich die richtige Entscheidung getroffen zuhaben. Im Herzen hoffe ich, du hast diese blöde Spritze nicht wirklich gemerkt. Und ich hoffe für dich war es der Weg, bei dem du am wenigsten leiden musstest.
Wärst du noch hier, hätte ich dir die Entscheidung nicht abgenommen? In der Gruppe sind einige Kinder mit schlechter Prognose schon ganz schön alt. Ich glaube nicht mein Schatz, alleine, dass du kein Gramm mehr zugenommen hast über Wochen, obwohl du gewachsen bist, war für mich ein deutliches Zeichen. Mein kleines Fliegengewicht. Ich weiß seitdem was die Liebe wiegt und wie groß die Liebe ist. :-) 1309 Gramm wiegt sie und sie ist 43 cm groß, die Liebe.
Du bist Mamas Goldstück, daran wird sich auch in 100 Jahren nichts geändert haben, du wirst immer die Große sein, mein erstes Kind, die, die auf die Nachzügler aufpassen muss. Die große Schwester und ja, auch die Cousine. Du wirst in unserer Familie von allen Kindern, die noch bei mir und meiner Schwester kommen, die Älteste sein. Die große Kleine. Meine Liebe zu dir wächst, mit jedem Herzschlag von mir, ich habe gelesen, dass ein kleiner Teil der DNA für immer in Blut der Mutter mitrumschwimmt. Das heißt, wenn es denn wirklich stimmt, ich habe dich für immer unter meiner Haut, ein kleiner Teil von dir lebt hier unten weiter.


Montag, 20. März 2017

Über Traum und Trauma, über Happy End und Happy Beginning

Im Moment, wie bereits erwähnt, ist mein Hirn ja sehr rege. Vor allem Worte und Wortbedeutungen haben es mir grade angetan, neben allen anderen Gedanken.
Gestern war ich spazieren und war so vertieft, dass ich vollkomme überrascht war, als ich plötzlich wieder in meiner Wohnung stand. Ich hatte den Weg gar nicht richtig wahrgenommen... so etwas passierte mir extrem selten, denn ich liebe die Landschaft bei uns und den Weitblick, die Felder, die Bäume und Tiere. Und eigentlich spiele ich auch viel mit meinem Hund.
Was also hatte mich so abdriften lassen?
Der Gedanke, dass Traum gar nicht so weit entfernt von Trauma ist. Ist ein Traum ein Trauma ohne "a"?  "A" wie "Arsch"? Ist ein Trauma ein Traum-Arsch? Der Zeitpunkt wo eine Traum voll in den Arsch gegangen ist?

Ein Traum, damit assoziieren die meisten etwas schönes, sonst würde man wohl kaum sagen "Mein Urlaub, Essen, Mann, Kleid, Haus etc ist ein Traum", oder?  Hände hoch, wer sich bei "Mann" nur najaaa dachte hahaha, erwischt!
(Eine Anmerkung zwischendrin:  Ich wurde gefragt, warum ich meinen Mann "Göttergatten" nenne, ob  ich das gut fände, einen Mann als übergeordnet zu betrachten. Ihr dürft diese Bezeichnung mit einem Augenzwinkern verstehen, denn er verhält sich halt manchml wie ein kleiner Buddha  und denkt wie jeder Männe ab und an, er sei vielleicht Gott :-D.)
So, weiter im eigentlichen Text. Traum ist also im allgemeinen Sinne etwas positives, schönes, angenehmes. Ein (schöner) Traum ist wünschenswert, das Ende eines Traums hingegen nicht. "Ich musste meinen Traum begraben.", nicht schön oder? Eher ein Alptraum,... ein Aaaaaaaaaaaaalptraum, ein A-Traum, ein Arschtraum, ein Traumarsch, ein Trauma! Da haben wir es wieder.

Ein Traum der endet und zwar nicht so wie vorgesehen, hinterlässt also ein Trauma, könnte man als Küchenpsychologe so sagen... Natürlich nicht jeder Wald- und Wiesen-Traum! Einmal blöd aufgewacht und zack Trauma, nein, so mein ich  das nicht. Mehr die Lebensträume, so wie mit Goldstück. Da hatte der Traum auch ein Ende, was mich wiederum dazu brachte mich gedanklich über "Happy End" aufzuregen!
Ich mein, kann man den Anfang von etwas schönem dämlicher betiteln?  Wenn etwas endet, ähnlich wie mit dem Traum, dann ist es selten ein Happy End und wenn etwas neues Schönes beginnt, dann ist das doch bitte wenn schon ein Happy Beginning?!?

Da findet Julia Roberts ihren Traumprinzen in Pretty Woman und das soll es dann gewesen sein? Der Film endet zwar, aber doch nicht Geschichte an sich. Nein, da konnte ich mich noch nie mit anfreunden und ich will es auch gar nicht verstehen.
Es gibt keine mögliche Welt in der ich das Ende von etwas als schön empfinden würde. Denn entweder transformiert es sich in etwas Schöneres und dann war es kein Ende sonder ein Übergang oder aber das Ende ist blöd und so nicht gewollt.
Schnürsenkel haben Enden, die sind super, aber sonst? Mich nervt es ja sogar wenn der Faden in der Nähmaschine endet. Ich bin kein Happy Ender, ich bin ein Happy Übergeher oder Happy Beginner.
Ich gucke mir auch im Fernsehen nichts an(oder nur unter starkem Protest), dass kein Ende hat,... Cliff-Hänger sind mir ein Graus.
"Ende hinterlässt Trauma" so oder so ähnlich sieht's also aus.  Aber lässt man jetzt die Dummheit mit dem dämlich, nicht existenten Happy End weg und wendet sich wieder Trauma hin, fällt einem was auf? So im Bezug zu Happy Beginnig?
Traumaaaaa... "A" wie? Wie? "A" wie "Anfang". Ich kann aus einem Trauma ein Traum-Anfang machen, den "Traumarsch" auflösen indem ich einfach weiterträume und den Arschtraum, Arschtraum sein lasse.
Der eine braucht Hilfe dabei, der andere legt einfach von sich aus los mit dem Weiterträumen, aber es ist doch gut zu wissen, dass wir so etwas können. Sich transformieren. Aus einem Trauma einen Traumanfang zu schaffen, der zur Realität wird und dann zu einem Happy Beginning wird.
Wer übrigens tolle Enden kennt, die nicht missverstandene Happy Beginnings sind, her damit.... Ich überdenke gerne nochmal alles. :-)

Samstag, 18. März 2017

Die Geburt - ein Moment voller Nähe

Zu Beginn meiner Schwangerschaft habe ich mich oft durch Mamablogs geklickt. Dann kam alles anders und ich habe diese Blogs gemieden wie die Pest... Bis vorhin. Da sah ich durch Zufall den Aufruf von HerzBauchWerk, ein Blog den ich in der Schwangerschaft gerne gelesen habe. Ein Aufruf zur Blogparade bezüglich #wasistGeburt. Man soll beschreiben was für einen "Geburt" ist und es hat mich zurück denken lassen.
Wie laut eine stille Geburt sein kann,  wie anders es sein muss, wenn alles normal abläuft. Es hat mich erinnert wie stark ich doch sein kann und was mein Körper da geschafft hat und durchmachen musste.
Der errechnete Termin war ja gar nicht mehr weit weg als ich in Tübingen war um mein Goldstück auf die Welt zu bringen. Doch fangen wir am Anfang an.

Geburt hieß für mich Vorbereitung. Ich war etwas ängstlich, war absolut gegen eine PDA. Der Geburtsvorbereitungskurs war toll, nahm mir die Angst, stärkte meine Meinung gegen eine PDA zu sein. Ich bin aus diesem Kurs mit dem Gefühl gegangen, dass eine Geburt absolut das war, was ich wollte, konnte und brauchte. Ich habe mich so richtig darauf gefreut! Ich wollte mich durch die Wehen atmen, mein Becken kreisen lassen und all die tollen Übungen mit meinem Göttergatten durch turnen.
Dann war Goldstück plötzlich nicht lebensfähig, dann tot in meinem Bauch und am Tag drauf kniete ich in einem viel zu kleinen Krankenhauszimmer auf dem Boden, biss in die Bettdecke und brüllte meinen Wehenschmerz in die Matratze. Mein Mann aß sein Mittagessen und ich dachte ich sterbe. Eingeleitete Wehen sind fies. Pustekuchen von den angekündigten 45 Sekunden Wehen, 90 Sekunden Pause. (Liebe Hebamme im Kreißsaal, es gibt Gerüchte, dass ich ziemlich fies rumgebrüllt habe, was der Mist soll, mir wurde was anderes versprochen bezüglich der Wehen-/Pauselänge bla zeter bla.... Tut mir leid....ich war etwas gestresst, fürchte ich.)
Dann wurde jede Form von Schmerzmittel in mich gepumpt, was allerdings so gar nichts brachte im Unterleib, statt dessen schlabberte mein Kopf und Oberkörper, frei von Kontrolle, rum.
Aber, obacht jetzt wird's wichtig, das Gefühl, zu merken wie das Köpfchen tiefer rutscht ist faszinierend, was leistet unser Körper da bitte für ein verdammtes Wunder??? Selbst, dass mein Goldstück tot zur Welt kam, kann es nicht ändern, dass eine Geburt, so schmerzhaft sie ist, etwas wundervolles ist. Etwas, was nur wir Frauen vollbringen können. Meine Geburt mit Goldstück war der innigste Moment mit ihr, sie auf die Welt zu bringen, zu sehen zu was ich imstande bin, das war toll! Mit jeder Wehe kommt man dem Ziel ein Stück näher, man spürt sein Kind.
Ja, ich will das wieder! Ja, beim nächsten Mal wird es leben und ich kann so stolz bleiben wie ich es nach der Geburt war. Wärme schenken, Muskelspannung fühlen, ein Baby, dass bei der Geburt mithelfen kann. Ich bin so gespannt darauf!
Geburt ist für mich schön, eine Verwandlung von der Frau zur Mutter. Geburt heißt für mich immer noch Vorbereitung, mittlerweile aber auch Nachbereitung, Stichwort Wochenbett.  Und Geburt heißt mittlerweile Sicherheit, den eine der schlimmsten Situationen habe ich bereits durchstanden.

Donnerstag, 16. März 2017

Der Unterschied von noch und wieder

Der Kinderwunsch nach dem Tod des eigenen Babys ist ja etwas sehr persönliches, individuelles. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob früher Abgang, MA oder Totgeburt bzw stiller Geburt, denn der Verlust ist immer da. Eine Ausschabung kann für den Körper schwerer zu verarbeiten sein als eine stille Geburt und umgekehrt, jede Frau und jeder Körper ist anders und das ist einfach Fakt.
Aber eine Frage sollten wir Sternenmamas uns doch ehrlich stellen und ich nehme mich da ganz gewiss nicht raus: Will ich noch schwanger sein oder wieder?
Im Moment schlafe ich schlecht ein und je länger ich so daliege und versuche einzuschlafen, desto munterer wird mein Hirn: "Hey Alte, du hattest zwar den ganzen Tag Zeit zum Denken aber ich hab da ein paar wichtige Dinge vergessen, absolut zukunftswichtig und oberdringend, es wäre also gut wenn du direkt darüber nachdenken könntest und nicht einfach einschläfst, los weg da ihr Schäfchen! Jetzt wird nachgedacht, fang an zu grübeln, Zukunftsszenarien, super, da seid ihr ja!!...".
So, oder so ähnlich geht es zur Zeit Nacht für Nacht für Nacht... Zwiegespräche mit meinem Goldstück, Gedanken um meine Zukunft, berufliche Wünsche, 5-Jahres-Plan, To-Do Liste für den nächsten Tag, Essensplan, Putzplan. Mein Hirn ist ein etwas zwanghafter Planer, dabei wäre ich selber doch so gerne total spontan. Allerdings hört meine persönliche Spontanität bereits dann auf, wenn jemand unangekündigt vorbei kommen will,... Türklingel? Nä! Hör ich nicht!
Tatsächlich bin ich Frau Routine, ich liebe es wenn alles seinen total hervorsehbaren Gang geht. Immer gleiche Abläufe und Gegenstände geben mir Sicherheit und ich liebe diese verdammte Sicherheit! Wenn ich einmal was mag, bleib ich dabei, dass hat bereits in meiner Kindheit bei Spaghettieis angefangen, heute 25 Jahre später bleibe ich immer noch dabei. Es hat mich noch nie enttäuscht, im Gegensatz zu so einigen anderen Eisbechern. Bei Göttergatte war es das Gleiche, als ich ihn gefunden hatte wusste ich, dass es das war, er war mein Spaghettieisbecher. Veriebt, verlobt, verheiratet, so einfach war das (selbstverständlich erst nach vielen Jahren der Prüfung ob er nicht doch ein getarnter Banana-Split-Becher ist).
Und tatsächlich muss ich mir eingestehen, dass es etwas Ähnlichkeiten mit der Schwangerschaft hat. Ich war schwanger und plötzlich nicht mehr, aber so wie es normal weitergeht, wenn man nicht mehr schwanger ist, so war es eben nicht. Nur bin ich vermutlich zu perfektionistisch um das hinzunehmen. So wie es geendet hat, war es kein Spaghettieis und ICH WILL MEIN SPAGHETTIEIS. Das heißt ich will mein Baby. Ich wollte lange Zeit noch schwanger sein, ich habe lange Zeit etwas im Bauch gespürt was da nicht war. Meine Frauenärztin hat vermutlich gedacht ich ticke nicht richtig, weil ich sie gefragt hatte ob da zufällig irgendwas drin sei, was Honigmelonengröße haben könnte. Aber es hat sich eben so angefühlt, ich konnte mich nicht auf den Bauch legen, es ging einfach nicht. Dann habe ich gegoogelt, Krebs konnte ich ausschließen, sonst ja immer die erste Google-Diagnose, aber ich bin auf etwas interessantes gestoßen: Phantomschmerzen bei Menschen mit Amputationen. Tatsächlich gibt es dieses Phänomen wirklich, da haben Menschen gefühlt Schmerzen in dem Körperteil was gar nicht mehr bei Ihnen ist und so ähnlich erkläre ich mir auch meine Schmerzen. Vielleicht habe ich es so intensiv wegem dem Fetozid gespürt? Ich weiß es nicht, aber möglich wäre es laut meiner eigener Logik.
Nachdem ich mir also meine Erklärung für meine Schmerzen zurecht gelegt hatte, beschloß ich gesund zu werden. Ihr lacht? Ja, lacht, habe ich auch, tatsächlich gibt es unglaublich viele lächerliche Dinge die ich seitdem tue, vollkommen egal, es macht Spaß. Zu beschließen gesund zu sein ist gar nicht mal so leicht, denn es ist viel gemütlicher sich im Elend zu sulen und Schmerzen zu haben. Die Welt ist gemein und böse, ich habe nicht nur Schmerzen im Bauch sondern auch eine Spinalnerventzündung (das sind tatsächlich Schmerzen wie Hölle), mein Baby ist tot mimimimimi,.... sich dann selber innerlich wie  Major Pain anzubüllen und  zum "Klar-kommen" zu verdonnern, das erfordert doch einiges mehr an Disziplin und Wille.
Aber in Kombination mit meiner heißgeliebten Akupunktur bringt es wirklich was. Ich zwinge mich aktiv mich mit dem Tod meiner Tochter auseinanderzusetzen, mich Situtationen auszusetzten die schwer für mich sind, immer in Sicherheit aber dennoch immer ein Stück mehr.
Stück für Stück kämpfe ich um meine Normalität und mittlerweile fühle ich mich so wohl! Babykilos sind immer noch drauf? Egal, ich bin glücklich. Eine Zeit lang, das heißt  ungefähr zwei Tage, war ich vollkommen frei von Kinderwunsch. 48 Stunden sind wirklich lange, wenn du davor besessen von dem Gedanken warst. Dann habe ich darüber nachgedacht und nun möchte ich wieder schwanger werden und es nicht immer noch sein.
Klar wünschen Göttergatte und ich uns einen kleinen Mini-Us, aber es hat Zeit, denn wenn es so weit ist wird es alles wieder so schnell gehen. So, freuen wir uns auf das Zukunftssbaby sind aber glücklich mit Gegenwartsnichtbaby und dem Goldstück auf seinem Stern.
Wieder schwanger werden zu wollen ist sehr viel schöner als immer noch schwanger sein zu wollen und es lohnt sich darüber nachzudenken, denn man sollte schließlich für den folgenden Wurm bereit sein. Man sollte sich wirklich bereit dafür fühlen, nichts wäre doch schlimmer, als in einer neuen Schwangerschaft zu merken, dass es zu früh war, man noch nicht wieder bereit ist. Natürlich bekommt man auch diese Gefühle in den Griff, aber es ist sicherlich leichter, wenn sie davor bereits aufgearbeitet wurden. Mein Körper war also mal wieder schlauer als ich und es war mit Sicherheit richtig eine neue Schwangerschaft nicht zuzulassen bisher, denn wenn ich ehrlich bin wäre ich vermutlich noch  gar nicht wieder bereit gewesen auch wenn es der einzige Wunsch in meinem Herzen war nach Goldstücks Tod. Auch solche Gefühle ändern sich also mit der Zeit und das ist gut so. Es ist so wie ein Spruch der mir neulich ins Auge gesprungen ist: Vewandelt, nicht vergessen, ist was war.
Ich drücke euch alle von Herzen, habt Mut euch euren eigenen Gefühlen zu stellen, es lohnt sich! Man kann so sehr an sich selber wachsen!

Montag, 13. März 2017

Erinnerungen schaffen

Wenn ein Baby geboren wird, dann werden Bilder mit der Familie gemacht, die ersten Söckchen und der erste Strampler werden in eine Kiste gepackt, dann folgt die erste Haarlocke, der erste Zahn, davor vielleicht ein Bild vom ersten Lächeln, mit Sicherheit aber das erste selbst gemalte Bild, die Kiste füllt sich. Selten werden diese Stücke herausgenommen, jeder neue Tag bringt schließlich neue Erinnerungen mit sich.
Doch was machen wir? Wir die wissen, dass unser Baby nicht lange bei uns sein wird. Ein paar Stunden, im besten Fall ein ganzer Tag, ist alles was uns bleibt um Erinnerungen zu schaffen die das ganze Leben halten. Halten müssen, denn es werden keine mehr dazu kommen, wenn das Baby tot ist.
Tatsächlich haben wir eigentlich ganz gut vorgesorgt gehabt. Wir hatten eine Spiegelreflexkamera dabei, ein Gipsabdruckset für Hände und Füße in 3D und unser Hochzeitsbild auf dem alle Gäste einen Fingerabdruck hinterlassen haben. Goldstück war der Ausschlag dafür, dass wir bereits letzten Mai heirateten und nicht noch etwas gewartet haben. Sie war dabei, also sollte ihr Abdruck auch mit aufs Bild.
Tja und dann war sie da und ich wollte weder ihre kleine Hand noch ihren kleinen Fuß in Gips tunken. Ich konnte nicht, es erschien mir falsch, verwerflich, ich wollte sie nicht schmutzig machen. Auch mit der großen Kamera wollte ich nicht, es war mir zu nah, zu mechanisch, ich wollte einfach nur mein Goldstück im Arm halten, ihren kälter werdenden Körper wärmen, ihr Leben einhauchen.
Selbst als mein Mann die Abdrücke mit Tinte machte, war mein einziger Gedanke, sie wieder sauber zu machen. Heute weiß ich, wie wichtig es gewesen wäre, wenn da jemand gewesen wäre, der Erinnerungen für uns gesammelt hätte, der die Abdrücke gemacht hätte, Fotos von uns drein zusammen, der uns gesagt hätte, dass die Kliniktinte nach wenigen Tagen am Licht zur Unkenntlichkeit verblasst, der uns gesagt hätte, nehmt die Decke mit, in der ihr sie eingewickelt habt, deckt sie mit einer anderen wieder zu.
Die Momente sind verloren, unwiederbringlich, es ist schade, aber ändern kann ich es leider nicht mehr. Es bleibt einem also mal wieder nur das Übliche übrig, es hinzunehmen, Ärger verrauchen und Schmerz freizulassen. Natürlich kann ich mich darüber ärgern, mich fragen warum keiner mal in diesem Moment für uns denken konnte, für uns da sein hätte können, aber es bringt mir nun mal nichts. Vielleicht konnte es eben niemand, vielleicht sind die Gedanken und Bilder im Kopf dadurch intensiver, rede ich mir ein.
Für alle anderen Eltern wünsche ich mir jedoch ebendiesen  jemand der Erinnerungen der zarten Stunden zusammen sammelt, wie eine Biene die Blütenstaub sammelt. Jemanden, der vorsichtig auf den Moment-Blumen landet und das Wertvollste aufnimmt, aufsammelt um es dann abzuliefern damit die Mama es zu Honigerinnerungen  verwandeln kann. Bitte nehmt Angeboten wie die von "Dein Sternenkind" an, klärt mit Hebammen ob ihr bessere Tinte haben könnt oder etwas mitbringen müsst, holt, wenn es jemand schafft jemanden dazu der im Hintergrund agiert und einfach für euch funktioniert, der diese Erinnerungen sammelt, denn man kann tatsächlich Dinge vermissen, die man nie besessen hat.


Freitag, 10. März 2017

Wingo, mal ein anderer Post

Heut muss ich mal einfach etwas anderes schreiben, denn ich bin wütend. Nicht laut und rot, sondern zickig, eingeschnappt und mädchenhaft schmollend wütend. Ich denke Frauen werden den Unterschied kennen...
Warum? Weil ich Mama bin herrje, nehmt es hin! Ich meine damit natürlich nicht euch, sondern die selbstgefälligen, hornochsigen Tanten da draußen. Grade mal Anfang der Schwangerschaft geben sie mir munter Tipps wie siiiiie schwanger geworden sind und die frischgebackenen Mamis heulen einen zu, wie gestresst sie sind oder aber, dass ich mir doch keine Sorgen machen brauche, schwanger werden ist ja nicht so schwer und in die Mutterrolle wächst man von ganz alleine rein.
So, gut, okay, DA bekomme ich dann die laute, rote Wut und könnte diesen Subjekten die ****** polieren, ich gebs zu... Könnte ich, tu ich aber nicht, leider bin ich nicht im Ghetto aufgewachsen wo der Faustkampf noch Respekt findet :D.
Tatsächlich BIN ich Mama, keiner muss mir was von Mutterinstinkt und Mutterrolle erzählen, denn ich weiß es. Ich habe eine ganze Schwangerschaft durchlebt, danke ich weiß wie es ist, blöde Kuh im 2. Monat. Und das man sein Kind nach der Geburt ja sooo liebt.. ACH WAS? Wirklich?!?! Erzähl mir mehr davon, ich hab nur n Tretroller zu Welt gebracht, den ich danach in die Ecke stellen konnte... da hab ich doch keine Gefühle für pfff...
Nein, nein, nein... und was macht die unemanzipierte Frau von heute, wenn ihr eine Mutter mit Kinderwagen entgegenläuft? Durch die Sonne laufend, frei von dem Gefühl für irgendetwas anderes Verantwortung zu tragen als für sich und ihre kleine Familie, was mach ich da wohl, wenn ich so eine sehe?
Ich poliere... nicht ihr die Fresse, sondern bei mir einfach alles.
Und weil putzen, schrubben und polieren unglaublich befreit mach ich mir es eben damit auch noch schön!
Wie? Mit  Wingo!
Tatsächlich soll das keine Werbung sein, aber ich habe es bei Edeka entdeckt und es war Rosa, war umweltfreundlich und riecht wie eine sehr frische Blumenwiese. I like!
Putzen und die Überhausfrau raushängen lassen ist ja seit Goldstückchens Geburt total mein Ding, denn das kann ich wenigstens, da kommt am Ende immer was Positives bei raus und wenn es nur für meinen Göttergatten bedeutet, dass er wieder alles verkramen kann (ich glaube Unordnung zu machen gefällt ihm nur, wenn davor alles schön ordentlich war...).
Aber ernsthaft, äußerliche Ordnung räumt mich innerlich total auf. Die blöde Olle mit dem SUPER-Kinderwagen hat bestimmt nicht so eine glänzende, aufgeräumte Wohnung hahaaa, in your face! Und das Putzmittel von Wingo macht halt nicht nur sauber, sondern auch alles schön und wohlriechend.
Vielleicht sollte ich mich damit duschen...? Erst wollte ich trinken schreiben, aber nicht, dass dann einer aufschreit, dass ich vorhabe einen glänzenden Abgang hinzulegen. Jaja,.. die eigenen Witze sind halt die Besten :D. Keine Sorge alles nur Spaaaaaß.,  ich werde damit natürlich nur wie vorgeschrieben umgehen und nun mit einer alten Zahnbürste die Silikonfugen im Bad reinigen. Das fehlt mir nämlich noch zu meinem Überhausfrauen-Glück, saubere Silikonbadfugen. In diesem Sinne werde ich mich jetzt Zen-mäßig dabei entspannen und wünsche euch allen einen wundervollen, ruhigen Abend.
Und wer wütend oder traurig ist oder heult, versucht es mal mit ner Putzneurose. Wahlweise könnte ich mir auch vorstellen einen Deal einzugehen, falls eine von von euch seitdem zwanghaft bügelt? Das ist nämlich mein kleiner Schönheitsfehler, ich hasse es. Dafür würde ich aber eben dann eure Silikonfugen bearbeiten, die riechen danach auch ganz toll :-)!

Donnerstag, 9. März 2017

6 Monate

Heute vor genau 6 Monaten bist du auf die Welt gekommen mein Schatz, einen Tag davor bist du gestorben.
Und trotzdem wächst meine Liebe zu dir jeden Tag.
Ich bin nicht mehr so traurig, wenn ich an mein Goldstück denke, der Schmerz, sie nicht mehr körperlich bei mir zu haben, der hat mich damals fast verrückt werden lassen.
Heute ist es okay. Du bist nicht mehr hier, aber so nah bei mir wie es nur geht. Ich trage dich im Herzen, im Kopf, überall wo ich bin, da bist auch du und ich bin sehr glücklich.
Würde ich es SO zu schätzen wissen, dich zu haben, wenn du da wärst? Die Frage stelle ich mir in letzter Zeit häufig, wenn ich andere Eltern ansehe, Eltern die gleichzeitig mit uns schwanger waren.
Erschreckender Weise gibt es da viele Eltern die ganz und gar nicht glücklich sind. Natürlich gibt es auch die glücklichen, aber das sind irgendwie nur 50%. Der Rest ist abgehetzt, hat keine Zeit mehr für sich und trötet dies in die Welt hinaus und einige Paare stehen kurz vor der Trennung.
Wir hingegen stehen als Paar sehr eng beieinander, denken heute voller Stolz und Glück an unsere Tochter, unser erstes Baby. Der Tag ist etwas besonderes und somit ist dieser Post heute auch besonders.
Eine sehr liebe Mama hat mir geschrieben, dass sie vor 2 Wochen ihren Sohn tot auf die Welt bringen musste. Ebenfalls ein Gendefekt, ebenfalls lange Zeit unbemerkt. Die Klinikhebamme hat Bilder gemacht, hat sie ermuntert ihren Sohn anzuschauen, es wäre ihm optisch nichts anzusehen, aber sie hatte Angst. Wollte ihn nicht anschauen, zu groß die Angst das Bild einer Kinderleiche nicht mehr aus dem Kopf zubringen.
Ich kann es so gut verstehen, liebe Mama, die du so viel Vertrauen in mich hast, dass du mir so kurz nach diesem furchtbaren Verlust das alles geschrieben hast. Ich habe Hochachtung vor dir! Zwei Wochen danach lag ich mit meinem Hund auf der Couch, Rolladen unten und habe mich und die Welt gehasst, zu schwach um dem Wunsch alles kurz und klein zu schlagen nachgehen zu können (da hat meine schöne Wohnung nochmal Glück gehabt...).
Du liebe, traurige Mama hast mich gefragt, ob ich mich nicht vor meinem Kind geekelt habe, was mir dabei durch den Kopf ging und ob sie ein Bild von meinem Goldstück sehen dürfte, wo ich doch sage, dass sie wie ein normales Baby nur in schmal aussieht, bevor sie den Mut finden könnte ihre eigenen Bilder anzusehen.

Ja, du darfst und ich werde dieses Bild hier veröffentlichen, denn ich möchte jeder Mama Mut machen! Eure Kinder sind alle auf ihre Art und Weise wunderschön! Ihr seid wunderschön! Und ihr könnt stolz auf euch sein! Die meisten Frauen schaffen eine Geburt weil ihr lebendes Kind ihr Ziel ist, was aber will man uns als Ziel setzen? Es muss halt raus, es ist aber tot.
Ich halte trotzdem die Fahne hoch  und sage, dass meine Geburt trotz allem was schief gegangen ist, schön war. Und auch der Moment wo ich sie bekommen habe war wunderschön. Diesen Moment hat mein Mann festgehalten und diesen Moment möchte ich mit euch teilen, es ist vermutlich der persönlichste Moment meines bisherigen Lebens und dennoch gehört er hierher: (Achtung, mein Kind hat keinerlei äußerlich sichtbaren Verletzungen oder Mißbildungen, dennoch ist es ein Bild von einem totem Baby und ich bitte euch, fragt euch selber ob ihr es sehen könnt und wollt, vor allem für Leser, die nicht selber davon betroffen sind, Elternteil eines Sternenkindes zu sein und noch nie ein totes Kind gesehen haben!)
Das Bild ist wirklich direkt nach der Geburt entstanden, da war sie keine 3 Minuten auf der Welt und ich die stolzeste Mama unter der Sonne, ich bin heute noch SO verliebt in mein Goldstück, Sie hat die Nase und Lippen ihres Papas, ihre kleine Hand hat perfekt um meinen Finger gepasst, sie war gemacht dafür mir diesen Moment zu schenken! Ein Kind zu bekommen, welches tot ist, ist nicht schrecklich, es ist traurig, aber nicht schrecklich. Es sollte nicht passieren, aber wenn es passiert, bleibt da immer noch die Liebe. Ich finde es doof, dass diese Geschichten immer so zerstörerisch geschrieben werden, wenn sie denn veröffentlicht werden. Es gibt so viel schönes dabei, denn ändern kann man die Situation nicht mehr, sich dann dabei noch auf das Schlimme zu fokusieren hilft keinem, denn es ist bereits schlimm genug für die Eltern. Ich wünsche mir mehr positive Berichte von so etwas und bitte nicht nur die, die dann von einer positiven Folgeschwangerschaft erzählen. Geschichten die den Eltern ihre Trauer und Wut zusprechen, aber gleichzeitig Mut für die Zeit die kommt machen. So, dass auch Schwangeren die diese Geschichte lesen nicht der kalte Schweiß ausbricht. Denn treffen kann es uns leider alle, es zu verdrängen ist schön, aber es bringt einem spätesten dann nichts mehr, wenn man in der Situation ist.
Mein Goldstück, heute wirst du 6 Monate und du bist das Beste was mir passiert ist, ich liebe dich, dir kann nie wieder etwas passieren. Wenn andere Mütter Angst haben müssen, dass ihre Kinder auf die schiefe Bahn geraten, wirst du immer mein kleiner braver Engel sein um den ich mir nie Sorgen machen muss. Dir wird nie einer wehtun, du wirst nie heulen, weil dich einer im Kindergarten gekniffen hat und das ist gut so. Du hast mich schlafen lassen und warst somit das liebste Erstgeborene überhaupt :-D. Das nächtliche Geweine und damit verbunden Aufgestehe heben wir uns für dein Geschwisterchen auf, wann immer es kommen mag.  Das kannst du dann beschützen, kleine Maus, die Aufgaben der großen Schwester treffen dich also noch im Himmel wie du siehst. Mama und Papa denken heute noch ein Stück fester an dich, danke, dass es dich gibt! ♡


Montag, 6. März 2017

Gegen die Trauer, gegen die Wut

Einen Satz vorweg, bevor es um das Thema der Trauer...bekämpfung(?) geht, da ich doch öfter gefragt werde, ob es da nicht einen bedeutenden Teil gibt, den ich vergessen habe: die Beerdigung.
Nein, vergessen nicht, das wäre schön. Aber es ist ein schmerzhaftes Thema für mich, hat dem ganzen Elend die Krone aufgesetzt und ich bin noch nicht bereit dazu, dies zu veröffentlichen, zu diskutieren. Es hat weh getan. Aber ich werde es versuchen, versprochen. :-)

So viel zu dem EINEN Satz vorweg, gell???
Aber nun zu dem eigentlichen Post-Thema, den Dingen die ich unternommen habe um damit klar zu kommen. Die Diagnose von Goldstück zu verarbeiten und den Fetozid und die Totgeburt zu begreifen, ohne daran kaputt zu gehen.
Der Post zu den Hebammen, dürfte dem schlauen Leser bereits verraten haben, dass der Bezug zu meiner Hebamme und ihre Arbeit an sich eine riesengroße Hilfe war.
Mit Diagnose war sie nicht nur da, um mich aufzufangen, sondern hat auch noch eine zweite Hebamme aus dem Hut gezaubert, die mich einfach nur in meinem Schmerz und meiner Trauer begleitet hat. Die sich von mir hat angucken lassen, ich, die dasaß wie eine Kuh beim Donner, und die ich immer wieder gefragt habe ob ich das Richtige mache. Die es geschafft hat, meine eigenen Gefühle so kontrovers zu diskutieren, dass ich nach dem Gespräch immer einen kleinen blauen Streifen am Horizont gesehen habe. Doch irgendwann hört die Wochenbettzeit auf, erst recht wenn das Baby fehlt (sich wie eins aufzuführen hat da nichts gebracht, ich habe es ausprobiert).
Was danach?
Mein Göttergatte ist zwangsläufig wieder zur Normalität übergegangen, musste dies tun, Selbstständigkeit heißt eben selbst und ständig, er konnte sich schlecht einfach gehen lassen und deswegen musste ich ihm zuhause wieder eine gewisse Stabilität bieten. Das heißt, ich musste nicht, aber ich wollte es. Wer in der Öffentlichkeit funktionieren muss, der braucht einen Ort zum Regenerieren und nicht einen Ort, der ihm zusätzlich die Kraft raubt. Wiederum ist er somit als Therapie ausgefallen, höchstens indem ich ihn als Babyersatz betrachtet habe und ihn so bemuttert habe, dass er mir zärtlich und sehr sensibel mit einem sanften:" ES REICHT!", gezeigt hat, dass er NICHT mein Baby ist und es unserer Ehe nicht soooo gut tut, wenn er plötzlich das Gefühl hat, er küsst seine Mutter beim nachhause kommen.
Also bin ich zu einem Psychiater.
Der Psychiater, hat danach jedoch leider selber vermutlich eine Therapie gebraucht. Ich schwöre euch, wenn einem der Psychiater sagt:" Oh Gott,... oh Gott,... wenn sie vergewaltigt worden wären,... dann wüsste ich was ich ihnen anbieten könnte,..... aber... oh Gott... das ist ja absolut grausam, sie sind ja auf Stufe eines Kriegstraumas traumatisiert!", dann fühlt sich das doch irgendwie seltsam an. Ich jedenfalls hatte das Gefühl ich müsste den Psychiater trösten und habe dann dummes Zeug geplappert, dass es ja gar nicht sooooo schlimm alles war.
Auf zum nächsten, doch der war ein, entschuldigt die Wortwahl, Trottel. Wer mir, nachdem ich ihm sage, dass wir bereits wieder (oder immer noch?) Kinderwunsch haben, Medikamente und Psychopharmaka  verschreibt, bei dem als häufige Nebenwirkung erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, Totgeburten und Miss-sowie Fehlbildungen steht, der hat sie doch nicht mehr alle. Zuhören wäre wohl als Psychiater empfehlenswert... er hat mich jedenfalls nicht wieder gesehen.

Was mir rasend schnell geholfen hat, ist die Akupunktur. Ein paar Mal und aus Trauerklöpschen wurde Strahlemops (die Babykilos hängen eben an mir, dadurch das ich nicht stillen konnte).
Aber ehrlich, die Akupunktur ist der helle Wahnsinn, es piekst und ich quieke mitunter ab und an wie ein Ferkel, aber ich fühle mich sauwohl. Endlich! Auf körperlicher sowie auf geistiger Ebene fühle ich mich wie neugeboren. Ein Welle der Zuversicht hat mich überkommen und ich bin nur noch sehr selten mal traurig und wenn, dann auch nur sehr kurz. Nicht, dass ich mein Goldstück vergessen würde, aber ich integriere sie nun einfach in mein Leben.
Mäusekind gehört eben dazu, ich bekomm schon irgendwie ein Geschwisterchen für sie gebastelt und ich denke gerne an sie, aber eben  nicht mehr tief trauernd, sondern stolz. Ein Hoch auf meinen Heilpraktiker, der mich mit seinen Nadeln kreuz und quer durchbohrt und dabei jedes Mal  ins Schwarze trifft.
Und es gibt die kleinen Dinge nebenher die mir gut  tun. Schwimmen gehen, essen gehen, einen Bald-Mama-Tee aus dem Bioladen, harmonisierende, wunderbar duftende Körperöle, ein neues Kleid, eine Schaumbadewanne, ein gutes Buch lesen und mein wunderbarer, mein toller, mein lieber Hund.  Mit ihm spazieren gehen, ihn anzugucken wie er sich abends auf der Couch an mich kuschelt, kleine Seelenmassagen für zwischendurch.
Einen Teil macht vielleicht auch meine innere Lebenseinstellung aus, ich werde unterm Strich aus der Sache mit einem Plus gehen, davor höre ich nicht auf. Ich kann nur jeder Sternenmama und jedem Sternenpapa raten,  tut euch was gutes! Ihr werdet etwas finden, dass euch den kleinen Schubs zurück ins Glück gibt. Mal dauert es länger, mal geht es schneller, aber es wird kommen, selbst wenn es im Moment nicht danach aussieht. Wie hat die ein Blonde von ZDF immer gesagt? Alles wird gut!

Samstag, 4. März 2017

Zeit für Veränderungen

In 5 Tagen ist es genau 6 Monate her, dass ich mein kleines Goldstück auf die Welt gebracht habe. 6 Monate als Mama, 6 Monate ohne Baby.
Und mit einem Mal ist der Wind aufgefrischt, es tut sich etwas in der Welt da draußen, es tut sich etwas in mir.
Ich strecke mein Köpfchen in die Sonne, wie die zarten Frühlingsblumen da draußen. Den Winter über haben sie ausgeharrt, in Dunkelheit und Kälte haben sie sich versteckt. Und doch haben sie nach dieser trüben, lebensfeindlichen Zeit immer noch genug Kraft sich an die Oberfläche zu kämpfen und besser. Sie erblühen, verwandeln eine karge, trostlose Matschlandschaft in ein fröhliches Farbspektakel. Selbst wenn sich das schlechte Wetter nochmals aufbäumt mit Kälte, Eis und Schnee, so hat es doch längst verloren. Der Frühling ist unaufhaltsam. Die Pflanzen sammeln Kraft, strecken sich, bilden Knospen und so geht es auch mir.
Kann sein, dass es an der Akupunktur liegt, die ich seit einigen Wochen mache, aber ich fühle mich gut, wie seit langem nicht mehr. Voller Kraft, voll neuem Leben. Zufriedenheit ist dem Zweifeln gewichen.
Es ist schön da draußen, es ist schön hier drinnen, endlich bin ich wieder bei mir. Es stehen Veränderungen an, ich werde meinen alten Job kündigen, es ist beschlossene Sache. Ich werde zukünftig voll in den Betrieb meines Mannes einsteigen und ich bin weiß Gott so furchtbar dankbar, dass ich diese Möglichkeit habe. Es bedeutet mehr Freiheit, Verbundenheit und Sicherheit für mich auch wenn ich meine so lang hoch gehaltene Unabhängigkeit meinem Mann gegenüber damit aufgebe.
Ich will wieder mehr malen, töpfern, nähen, fotografieren. In einem Lied habe ich neulich die Zeilen: "...Ich kann den Wind nicht ändern, nur die Segel drehen...", gehört. Es stimmt, was passiert, ist passiert. Das mit Goldstück, die nicht eintreten wollende neue Schwangerschaft, ich kann es nicht ändern, also was soll es. Dann ändere  ich eben die Richtung, richte trotzdem das Kinderzimmer weiter ein, es soll nicht länger ein totes Zimmer sein, es soll Leben ausstrahlen und nicht den Tot. Ich werde, wenn alles klappt zukünftig ehrenamtlich Sternenkinder fotografieren für und mit ihren Eltern. Krankheit kann man heilen, das Schicksal nicht.
Ich habe wieder einen geregelten Tag, mit Arbeits- und Freizeit.
Es fühlt sich richtig an, also mache ich es. Ich schmeiße die Ängste vor der Welt da draußen über Bord. Springe runter von meiner Eisscholle, die Insel, ich sehe sie!

Mittwoch, 1. März 2017

Hebammen, die heimlichen Helden

Wo ich ohne meine Hebamme heute wäre weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Manchmal muss man auch Glück im Leben haben. Das hatte ich definitiv, als ich in der Frühschwangerschaft meine Hebamme kennen lernte. Ich wusste, dass Hebammen schwer zu kriegen sind und man sich früh darum kümmern muss. Als ich in der 8./9. Woche bei meiner den Versuch startete, da war sie eigentlich schon voll. Aber es hat sofort gepasst zwischen uns, wie die Faust auf's Auge, also hat sie mich noch mit reingenommen und ich glaube, dass das meine Rettung war.
Sie hat mich durch alles durchgeboxt, war da, hat sich gekümmert, hat meine Tränen getrocknet und hat mir eine zweite Hebamme, die große Erfahrung in der Trauerbegleitung hat, mit an die Hand gegeben als klar war, dass mein Goldstück krank ist und diese Welt nicht lebend erblicken wird.
Meine Hebamme, diese unfassbar tolle Frau, die selber Mama von 3 Kindern ist, darunter Zwillinge von grade mal ein paar Monaten, hat eine unglaubliche Stärke gezeigt. Sie ist zierlich, klein, sieht recht jung aus, ein Lockenkopf. Steht absolut im Leben, eine echte Powerfrau und doch so empathisch, ich weiß wirklich nicht wie man so ein toller Mensch wird.
Hebammen sind so viel näher am Leben als irgendein anderer, im wahrsten Sinne des Wortes und ihre Erfahrung ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Doch ausgerechnet diese Frauen werden entsetztlich schlecht bezahlt und haben große Probleme mit ihren Versicherungsprämien. In Deutschland steht jeder Schwangeren und frisch gebackenerMama eine Hebamme zu, doch warum macht man ihnen dann ihre Arbeit so schwer? Honoriert diese nicht angemessen? Eine Frage die sich zweifelsohne noch auf viele andere Arbeiten beziehen lässt, leider.
Doch Hebammen sind eine besondere Schnittstelle, meine Hebamme war es, die GEFÜHLT hat, dass mit meinem Goldstück etwas nicht stimmt. Nur über ihre Hände hat sie mehr "gesehen" als alle anderen zusammen, hatte, wie sie mir später erzählte, früh den Verdacht auf Trisomie21. Ebenso wie ich, hatte sie auch das Gefühl "etwas stimmt nicht". Sie hat mich als Einzige ernst genommen und ihr Können gezeigt wo alle Ärzte versagt haben.
Sie hat mein Goldstück fast so lange gekannt wie ich, auch für sie bedeutete es Schmerz und Trauer, als ich sie verloren habe. Hat man eine Hebamme hat man so etwas wie eine "Schwangerschaftsfreundin".  So habe ich es zumindest gefühlt und als die Wochenbettbetreuung zuende war, war das extrem schlimm für mich, ich wollte sie nicht hergeben.
Es war ein Verlust, denn sie hat mich am Anfang dazu gebracht mir die Haare zu waschen, aufzustehen, etwas zu essen. Ich war das Baby um das es sich zu kümmern galt, weil ich selber keins mehr hatte.
Sie war es auch die mich das erste Mal zum Lachen über meine eigene Situation gebracht hat, denn es war einfach erbärmlich, wie ich mich versucht habe zusammen zureißen und kläglich daran gescheitert bin. Aber sie war wie eine Mama und ich wie ein Baby, das grade versucht aufzustehen und immer wieder hinfällt. Statt panisch zu mir zulaufen, weil ich auf meinem Hosenboden gelandet war, statt in den Stand zu kommen, hat sie gelacht und mich aufgemuntert es nochmal zu probieren, solange bis ich stand. Sie hat mir Vetrauen in mich gegeben, als ich jedes Vertrauen in mich verloren hatte. Der Gedanke versagt zu haben, wenn das Baby tot ist, den kennt wohl jede Sternenmama.
Hebammen sind die Personen, die den richtigen Abstand zur Nähe haben. Natürlich haben wir eine tolle Beziehung, aber letztendlich hat sie bei mir "nur" ihren Job als Hebamme gemacht und das hochprofessionell.
Freunde und Bekannte hatten, Gott sei Dank, keine Erfahrung darin, wie man mit mir umgeht. Wenn ich in den ersten Wochen heulend zusammen gebrochen bin, mich vor der Welt versteckt habe, keinen mehr an mich gelassen habe, war sie diejenige mit der Erfahrung, die kam und mich versorgte.
Hebammen sind das unterschätze, mitunter wertvollste Gut das unsere Gesellschaft besitzt. Deine Hebamme bringt dir den Umgang mit deinem Kind bei, sie ist die Erste am Kind, die für die Mutter vermutlich prägendste Person, grade beim ersten Kind.
Ich hoffe, dass sich die Wertschätzung und die Honorierung irgendwann danach richtet was eine Person in der Gesellschaft leistet, Hebammen hätten allemal das Gehalt eines Topmanagers verdient! Ich kann nur jeder unter euch raten, egal was ist, sobald ihr erfahrt,dass ihr schwanger seid, sucht euch eine Hebamme! Nicht immer liegt man auf einer Wellenlänge, dann hat man noch Zeit sich bei einer anderen Hebamme vorzustellen. Die Hebamme ist, meiner ganz persönlichen Meinung nach, das Wichtigste in und nach einer Schwangerschaft. Niemand weiß was besser für dich und dein Baby ist, als deine Hebamme, niemand hat mehr Erfahrung als sie und niemand kennt die Einheit aus euch, Mama und Baby, in den meisten Fällen länger.