Freitag, 24. Februar 2017

Zeit

Wie viel Zeit braucht man, bis man wieder bereit ist? Bereit für das Leben, für die Liebe, den zweiten Versuch? Bereit für Spaß ohne Schuldgefühle?
Ich kann ja nichts dafür, dass mein Kind tot ist. Gut, genau genommen kann ich schon was dafür, ich habe mich schließlich für den Fetozid entschieden, aber für die Trisomie18 und die Nicht-Lebensfähigkeit, dafür kann ich nichts.
Unterm Strich würde ich jetzt trotzdem ohne Baby dastehen. Als Mama eines toten Babys. Ich vermisse mein Goldstück natürlich, wäre gerne die Mama eines fast 5 Monate alten Wonneproppen, der mich manchmal in den Wahnsinn treibt und um den Schlaf bringt. Bin ich aber nicht. Nichts und niemand hält mich davon ab um 18Uhr ins Bett zu gehen oder am Wochenende erst um 10 Uhr aufzustehen, außer mein schlechtes Gewissen vielleicht.
Dieses schlechte Gewissen ist es auch, dass mich davon abhält mit einer furchtbar lieben Freundin auf einen Fasnachtsumzug zu gehen. Ich würde so gerne, obwohl ich die Fasnacht an sich nicht mal wirklich mag, aber ich würde sie wieder sehen und es wäre ein Stück Normalität. Einfach weggehen, vollkommen frei, ohne Gedanken.
Doch in meinem Kopf meldet sich plötzlich das schlechte Gewissen und die Angst klopft gleich mit an. "Wie kannst du Spaß haben wollen, einfach normal unter Menschen gehen, obwohl dein Kind noch keine 6 Monate tot ist? Was sollen Menschen von dir denken, die dich sehen und wissen was passiert ist? Was wenn jemand kommt und dir Mitleid zeigt? Mit Mitleid kannst du von allem am aller wenigsten umgehen.... Was wenn du wieder vor anderen heulst?".
Und plötzlich möchte man sich wieder lieber zuhause übers Wochenende einkuscheln, in die warme Gemütlichkeit. In die Sicherheit flüchten, sich nichts und niemandem aussetzen müssen.
Wie viel Zeit braucht man, um sicher zu sein, dass niemand einen veruteilt, weil man seiner Meinung noch in Sack und Asche zuhause trauern müsste? Oder ist das nur eine weitere Schranke im Kopf? Die eigene Verurteilung, das eigene schlechte Gewissen? Darf man den tatsächlich schon wieder Spaß haben? Heißt Spaß Vergessen?
Es ärgert mich. Ich bin meine eigene Geisel. Selbst wenn mir jemand blöd kommen würde, wüsste ich, dass meine sonst so niedliche und unendlich goldige Freundin sich vermutlich auf denjenigen schmeißen würde wie ein wütender Wombat und ihm die Leviten lesen würde. Trotzdem bin ich mir noch nicht sicher, ich will und ich will doch nicht. Beim Geburtstag meines Schwagers ist diese:"Hurra, es lebe die Normalität!"-Mentalität, gründlich daneben gegangen. Ich will ihr und dem Rest ja auch nicht den Spaß kaputt machen, wenn ich doch plötzlich von der nackten Panik in den Hintern gebissen werde. Natürlich könnte ich, wenn es passieren sollte, behaupten ich wäre ein Zitteraal und die Tränen Teil meines Kostüms (schließlich wäre ich ein Aal und der kommt aus dem Wasser, hallohooo?), aber das wäre dann Umgang mit der eigenen Panik für Fortgeschrittene Level 10 und ich dümpel noch irgendwo bei 3 rum. Also erforsche ich nochmal gründlich mein Innerstes bevor ich eine Entscheidung treffe, man hat ja schließlich Verantwortung, nicht wahr...

Montag, 20. Februar 2017

Und immer wenn Zweifel kommen...

Zweifel,.... Plötzlich sind sie da. Hinterlistig, auf leisen Sohlen kommen sie angeschlichen, umkreisen erst dein Herz und dann deinen Verstand. Und auf einmal fragst du dich, ob das alles richtig war, es nicht doch vielleicht alles gar nicht sooooo schlimm geworden wäre. Du vielleicht die eine gewesen wärst, bei der sich plötzlich alles zum Guten gewendet hätte.
Zugegeben, dein Kind hätte Trisomie18 gehabt, aber vielleicht, VIELLEICHT, wäre es ja ein Wunderkind geworden. Vielleicht hätten sich viele Dinge in Wohlgefallen aufgelöst. Das Kind mit Extras, dass alle überlebt, glücklich ist, dies zeigt.
Das Wort "vielleicht", die damit verbundene Gewissheit für immer mit der Ungewissheit leben zu müssen, ist ein mieser  Verräter.
Aber liebe Zweifel, die ihr alles schön reden wollt, ich KENNE den Obduktionsbericht meiner Tochter, aus diesem Grund habe ich überhaupt einen machen lassen. Als ich meine Tochter in ihrer Perfektion sah, wusste ich, dass ihr kommen würdet. Die Zweifel, die Frage ob es richtig war dich in mir töten zu lassen, ob die Diagnose gestimmt hat.
Liebe Zweifel, ja, die Diagnose stimmte und sie hat noch untertrieben. Ich kann das Wort " vielleicht " umdrehen und gegen euch verwenden. Vielleicht wäre alles noch viel schlimmer geworden, vielleicht hätte mein Goldstück noch viel mehr gelitten, vielleicht hätte meine Ehe darunter gelitten, vielleicht hätte ich es nicht verkraftet, vielleicht war es besser so. Ätsch, ich beherrsch dieses perverse Spielchen auch, Ball zurück gespielt.


Mittwoch, 15. Februar 2017

Verantwortung

Verantwortung, ein großes, schweres Wort, ein gewichtiges Wort. Denn wir tragen sie in jedem Augenblick mit uns. Verantwortung für mich, mein Leben, meinen Partner, für meinen Hund, für Goldstück. Für alles mit dem ich in meinem Leben in Kontakt trete, muss ich zwangsläufig irgendwie Verantwortung übernehmen.
Es obliegt meiner Verantwortung, dass ich ein guter Mensch bin. Niemand außer mir selbst kann mich zu dem machen, was ich gerne sein möchte. Die eigene Wunschvorstellung als Vorbild, geht das? Ich meine ja.
Natürlich kann man sagen, ich bin so geworden, weil meine Umwelt mich dazu gemacht hat, böse, verbittert, gemein, eingebildet, verschüchtert, nett, höflich. Aber das hieße, dass man keine Wahl gehabt hat. Es heißt, die Verantwortung für das eigene Selbstbild, das eigene Handeln abzugeben.
Vieles in unserem Innersten hängt sicherlich mit unserem Umfeld zusammen. Wo sind wir aufgewachsen, wie erzogen worden?
Aber unseren inneren Kompass für richtig und falsch, der lässt sich nicht beeinflussen. Jeder entscheidet individuell wie er in einer Situation handelt, wie er agiert, nicht reagiert.
Goldstückchens Krankheit war falsch, die damit eingehende Entscheidung für Ihren Tod so kurz vor der Geburt hingegen richtig, sagt mein Kompass. Meine Trauer, meine Sehnsucht richtig, Selbstmord, Verzweiflung, Verlust der Lebenslust falsch.
Verantwortung. Verantwortung für mich und mein Kind zu übernehmen zu einem Zeitpunkt wo ich sie lieber abgegeben hätte, war ein weiterer Punkt auf dem Weg zu dem Menschen der ich gerne sein möchte. Ein Mensch, der liebt und der vergeben kann. Ein offener Mensch, ein Mensch mit Fehlern aber diese kennt und damit arbeitet.
Vielleicht bin ich manchmal zu ehrgeizig, vielleicht mache ich es mir manchmal zu leicht indem ich Verantwortung für andere übernehme und damit an meiner Eigenverantwortung spare. Gut zu anderen sein, ist oft leichter und schneller erledigt als gut zu sich selber zu sein. Man fühlt sich gut, aber tut man sich gut?
Vielleicht habe ich mich übernommen, in letzter Zeit habe ich das Gefühl ich muss mich um mich selber kümmern. Der Ruf, mir selber zuzuhören wird größer. Vielleicht habe ich alles noch gar nicht so gut verarbeitet wie ich dachte. Vielleicht war das mein Wunsch nach Verantwortung für mein Leben, meine gedachte Verantwortung der Umwelt gegenüber, dass sich niemand sorgen muss. Habe ich Dinge dabei verdrängt? In der Tiefe begraben um funktionieren zu können?
Wenn ja, liebes "Selbst", dann hole ich es jetzt nach. Ich kümmere mich um dich. Akupunktur, Hypnose, Physiotherapie, schwimmen gehen, Neustart. Du musst gar nicht immer funktionieren, sollst Zeit bekommen um zu heilen, auch in der Tiefe. Kleine Auszeiten, für dich, für mich, damit wir wieder eine Einheit sind, ich nicht mehr permanent krank werde. Alles wird gut werden, das verspreche ich mir! Goldstück, ich liebe dich!

Sonntag, 12. Februar 2017

Die besonderen Menschen

So viele Menschen um einen. Besondere Situationen, besondere Menschen. Besonders in jeder Art und Weise, besonders einfühlsam, besonders traurig, besonders betroffen, einige jedoch leider auch besonders abstoßend.
Neben der Familie und vielen tollen Menschen hat sich eine Freundin als besonders wertvoll gezeigt. Sie fand und findet immer noch die richtigen Worte. Sie war mir nah, als ich mir selber fern war. Sie hatte stets Mitgefühl statt Mitleid. Sie brachte mir ein kleines Licht in die finstereste aller Dunkelheiten. Sie war außenstehend innenstehend, ich weiß nicht weiß wie ich es erklären soll. Dadurch,  dass es genug Abstand gab, schaffte sie es eine wahnsinnige Nähe herzustellen.
Sie hat alles was ich ihr erzählte ertragen, sie hat mir zugehört, selbst wenn ich zum hundertsten Mal das gleiche gesagt habe, weil die Worte sich für mich immer noch so unecht anfühlten.
Ich habe einen heiden  Respekt davor,  dass sie dies immer und immer wieder auf sich genommen hat. Nicht müde wurde mir zu antworten, keine Floskeln zurück gab. Ich habe Achtung davor, denn es hätte eine Million leichtere Wege für sie gegeben.
Sie hat selber mehr als genug zu tun, ist Doktorandin, gibt Vorlesungen, arbeitet, hat einen Haushalt, eine Beziehung, ein Leben. Und dennoch hat sie mir das Gefühl gegeben, dass ich mich melden darf, meine Last mit ihr teilen kann. Ich bin ihr so unendlich dankbar, denn jeder der dies erleben muss, weiß, dass es einen manchmal zu erdrücken droht, der eigene Partner aber grade nicht auch noch belastet werden kann. Sie hat diesen Balast genommen, ohne zu fragen, ohne etwas zu erwarten. Was ich ihr da zugemutet habe, ist mir erst  versetzt klar geworden, aber sie hat mich ein Stück weit gerettet.
Kurze Zeit später ist ihr selber etwas furchrbares zugestoßen und sie hat trotzdem nicht aufgehört für mich das zu sein.
Liebe Sophie, du bist toll! Du bist das, was ich jedem Menschen in einer solchen Situation wünsche. Ich hoffe sehr, dass das Leben dich belohnt für deine Großartigkeit und deine Großzügigkeit. Du erinnerst dich an mein Goldstück, gibst ihr klein wenig mehr Leben in das kurze Dasein, machst damit, dass ich mich als Mama fühle. Ich danke dir so sehr!!!
Natürlich gibt es noch andere besondere Menschen, die mir  den wahren Wert der Freundschaft gezeigt haben. Eine zum Beispiel, dessen Papa Arzt ist, die so bemüht war mir klar zumachen, dass sie medizinisch alles für mich erfragt, wenn ich selber nicht in der Lage bin, da war, zeigte, dass ich nicht alleine sein muss, wenn ich es nicht will. Oder meine Arbeitskollegen mit einem wundervollen Rosenstock und Bachblüten. Euch allen bin ich zutiefst verbunden, den ihr seid es, die einen mit am Leben erhalten.

Doch den zwei Personen die besonders abstoßend waren, wünsche ich, dass ihr nie in eine solche Situation kommt, aber falls doch, dann erinnert euch daran, dass zwei lächelnde Smileys zur Todesnachricht meiner Tochter keine passende Antwort waren und zu sagen, dass man wissen würde, was es bedeutet, denn man hätte eine Fehlgeburt in der 6. SSW gehabt,  makaber und anstandslos erscheint, wenn man sein Kind im 9.Monate verloren hat. Ich hoffe ihr habt in einer Notsituation bessere Menschen um euch, als ihr es selber seid.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Und jeden Monat stirbt sie ein klein wenig wieder

Eigentlich hatte ich über die Menschen schreiben wollen die für mich in der Zeit besonders geworden sind. Besonders wichtig, besonders nah, besonders abstoßend...
Dann habe ich meine Periode bekommen und mein Selbstvertrauen und der Glaube an mich und das alles gut wird, ist wieder schwächer geworden.Ein Gefühl, dass wieder ein Kind gestorben ist, nochmal mein Goldstück gegangen ist, obwohl es ja bloß eine blöde Eizelle war, die es nicht geschafft hat.
In diesen Situationen fühle ich mich wie ein Eisbär. Mein Lebensraum war wie die Arktis. Ich wusste wo mein Zuhause ist, wo ich mein Fressen finde, kannte meine Wege und fühlte mich wohl. Eines Tages brach der Teil mit meinem Zuhause ab, trieb plötzlich auf dem Meer. Ich lernte damit zu leben, die Scholle war noch groß genug, ich hatte Platz. Natürlich war der Abbruch meiner Scholle von der Arktis schlimm, aber immerhin hatte ich noch meine Scholle, es war etwas übrig geblieben. Das Vertrauen, dass die Scholle wieder andockt und festfriert war groß.
Doch die Scholle wird von Monat zu Monat kleiner, längst bin ich viel zu weit weg von der Arktis, treibe auf dem offenen Meer. Ich versuche zurück zu paddeln, will wieder Land sehen, aber ich kann nicht. Mein Leben ist den Strömungen ausgesetzt, ich bin machtlos, versuche Halt auf der immer kleineren Eisscholle zu finden, die mir einst so viel Platz und Sicherheit bot.
Noch finde ich Halt auf ihr, komme auf sie drauf, kann auf ihr stehen. Doch was, wenn sie zu klein wird? Schmilzt, auseinanderbricht? Ertrinke ich dann?
Natürlich bin ich kein Eisbär und ich lebe auch nicht wirklich auf einer Eisschole, aber innerlich geht es mir so. Mit jedem Monat, der vergeht und ich nicht wieder schwanger bin, fühle ich mich wertloser, versagender, ertrinkender.
Niemand gibt mir dieses Gefühl, da bin nur ich mit meinem inneren Selbstbild und bekämpfe mich selber. Raus aus diesem vernichtenden Kinderwunsch, der mir meine Lebenskraft stiehlt, das wäre schön. Entspannt in die Zukunft blicken können, mit dem Urvertrauen, dass schon alles irgendwann gut geht und ich doch jung bin. Aber ich fühle mich alt, entsetzlich alt.
Würde man mich nach meinem gefühlten Alter fragen, würde ich vermutlich 2071 Jahre antworten. Ein Dornröschenschlaf wäre wundervoll, aufwachen und sich fit fühlen, aufwachen und sich wohlfühlen. Nicht aufwachen und hoffen, dass man schwanger ist. Aufwachchen und loslassen, der Zeit die Zügel übergeben und sagen:" Du machst das schon für mich, ich gehe mal schwimmen.". Und wenn man zurück kommt, ist dort eine Insel hinter meiner zu klein gewordenen Eisscholle, schöner als die Arktis, mit dem perfekten Klima, mit allem was ich mir je gewünscht habe. Ich bin gerettet. Das wäre schön.

Dienstag, 7. Februar 2017

Trisomie18, was bedeutet das eigentlich?

Noch immer beschäftigte ich mich mit der Krankheit die mir meine Tochter genommen hat. Es gibt verschiedene Formen der Trisomie18,  wie bei allen Trisomien übrigens.
Unser Goldstück hatte eine freie Trisomie18, das heißt, diese Trisomie18 entstand willkürlich. Keiner von uns ist Genüberträger. Eine Laune der Natur, wie der Arzt sagte, Lebenslotto...
Ich war bei Schwangerschaftseintritt 25 Jahre, nicht übergewichtig, ich habe noch nie geraucht, trinke extrem selten Alkohol und wenn dann auch nur sehr wenig. Ich treibe Sport, ernähre  mich gesund, habe keine Krankheiten. Und trotzdem hat es mich getroffen. Es kann einfach jeden treffen, unabhängig von Lebensumständen.
Die Trisomie18 ist ein Chromosomendefekt, denn das Chromosom 18 ist dreimal vorhanden, statt zweimal. Oft wird anstelle von Trisomie18 auch vom Edwards-Syndrom gesprochen.
Steht die Diagnose erstmal wird schulmedizinisch schnell deutlich, dass diese Kindern kein Leben zu erwarten haben. Die Lebenserwartung betrifft, sollte die Schwangerschaft überstanden  werden, oft nur wenige Stunden. Die meisten Kinder überlebenden die Schwangerschaft nicht mal. Doch die Krankheit ist facettenreicher.
Fakt ist, ein Baby mit Trisomie18 ist in jedem Fall schwerbehindert. Aber die Art der Behinderung variiert stark. Manche Kinder sind äußerlich schwer betroffen und haben schwerwiegende Fehl- und Missbildungen. Es fehlt Schädelknochen, ein offener Rücken, eine offene Bauchdecke, Lippen-Gaumenspalte und und und... Sicher die grausamste Form des Körpers Leben herzustellen ohne das auch nur ein Hauch auf eine Lebenschance besteht.
Dann gibt es Babys, wie mein Goldstück, die sind äußerlich perfekt. Gut sie sind oft etwas kleiner und untergewichtig, aber ansonsten ist Ihnen nach der Geburt nicht wirklich etwas anzusehen. Dafür stimmt innerlich nichts. Zu uns hieß es wörtlich, dass ihr Körper innerlich nur Zellschrott sei, unerklärlich wie sie es so lange schaffen konnte. Zellschrott, nach der Obduktion wusste ich was es hieß. Kein Organ war funktionsfähig, sie waren fehlgebildet, falsch miteinander verbunden. Auch hier ist kein Leben möglich.
Und dann gibt es die Trisomie18 Kinder die zwar Fehl-und Missbildungen haben, aber wo nicht gleich ein Radikalschlag ausgeübt wurden vom Körper. Kinder die mit Einschränkungen sehr wohl lebensfähig sind. Mit Sicherheiten werden sie kein wirklich langes Leben führen und müssen intensiv gepflegt werden, aber sie leben und sie lächeln und lieben ihre Eltern. Es sind Kinder mit dem gewissen Extra, die der stetigen Todesprognose trotzen. Die einen mehrere Monate, die anderen sogar mehrere Jahre.
Klarheit über den Grad der Trisomie18 kann nur ein guter Pränataldiagnostiker geben, mit möglichst hohem Degum. Degum heißt quasi, wie gut der Arzt auf dem Ultraschall etwas erkennen kann. Degum III sollte es meiner Meinung schon sein. Denn man fällt eine schwere und eine wichtige Entscheidung aufgrund der Einschätzung des Arztes.
Nicht jedes Baby hat alles, die Art der Zusammensetzung bei jedem Baby anders. Das macht diese Krankheit so tückisch, denn man weiß nie wie die Krankheit sich entwickelt, was sie mit dem eigenen Kind noch vor hat. Die Eltern, die ein solch besonders Kind haben, können nie wissen was der nächste Tag bringt. Heilung gibt es keine, nur Hoffnung und die Gewissheit, dass die Sonne irgendwann auch die dunkelste Nacht vertreibt.

Montag, 6. Februar 2017

Warum ich darüber schreibe

Warum schreibe ich über das Schlimmste was einer Mama passieren kann? Warum BEschreibe ich so genau was passiert ist und wie ich damit umgehe. Warum erzähle ich davon, obwohl es so persönliche Dinge sind?
Ich schreibe darüber, weil ich anderen Frauen helfen möchte. Ich möchte, dass eine Mutter, die sich gegen das Weitertragen entscheidet, weiß, dass es keinen Grund gibt sich zu schämen. Ich möchte, dass Frauen mit Spätabbrüchen lesen können was auf sie zukommt. Genauso möchte ich, dass Frauen dadurch erkennen können, dass es vielleicht doch nicht das Richtige für sie ist, diesen Weg zu gehen. Ich bin kontaktierbar für Frauen in Not. Der Blog soll Hilfe sein, ohne Geld für ein Buch ausgeben zu müssen, wenn Eltern sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch, Spätabbruch oder Fetozid befassen müssen.
Der Fetozid ist ein absolutes Tabuthema, niemand will, dass andere denken, man sei ein Kindsmörder. Die Angst vor der Verurteilung so enorm groß.
Aber warum?
Auch Eltern wie ich, die sich für den Spätabbruch entscheiden, lieben ihr Kind. Sie lieben es wie alle Eltern, mehr als sich selbst. Trotzdem oder grade weil, habe ich meinem ungeborenen Baby eine Spritze ins Herzchen  geben lassen, damit es aufhört zu schlagen. Dafür schäme ich mich nicht, ich bin sogar ein Stück weit stolz darauf, denn ich war mir selbst egal dabei. Es ging um mein Kind, nicht um mich. Mein Wunsch, da bin ich ehrlich, wäre gewesen sie lebend zur Welt zu bringen. Und da fängt die Differenzierung an, die jedes Elternpaar für sich treffen muss. Wie lebensfähig ist mein Kind? Und wie lebensfähig bin ich?
Mein Blog soll Eltern die Chance geben vorher zu wissen was kommt. Ich habe damals so wenig zu Situationen wie meiner gefunden, diese Lücke möchte ich füllen.
Und ich möchte einen Funken Hoffnung in das Dunkelste aller Täler streuen. Solange man hinter seiner Entscheidung steht, wird man damit leben können. Und es wird ein Leben danach geben. Ein Leben, in dem es immer noch Liebe und Freude gibt. Ein anderes Leben, aber es gibt ein Leben nach dem selbstbestimmten Tod des eigenen Kindes.


Und alle anderen wachsen...

Nur unser Goldstück wird für immer der kleine Säugling bleiben. Ich kann mit den Babys, die jetzt in Ihrem Alter sind keine Vergleiche ziehen. Denn in meinem Kopf wird sie für immer 43cm groß und 1309 Gramm schwer sein. Da gibt es keine Veränderung, wird es nie mehr geben, denn ich kenne mein Kind optisch nur tot.
Es muss so schön sein, jeden Tag die kleinen Veränderungen wahrnehmen zu können. Zu sehen wie es auf mich und den Papa reagiert im Vergleich zu anderen. Jeder sagt :"Sie werden viel zu schnell groß! ", aber immerhin haben diese Kinder die Chance groß zu werden. Dieses Wunder nicht zu verpassen obliegt den Eltern selber. Bei meinem nächsten Baby bin ich jedenfalls gewappnet. Ich habe mir ein Schwangerschaftstagebuch gekauft um auch die Zeit im Bauch festzuhalten. Außerdem habe ich mir ein Glückstagebuch gekauft und wenn mein Zukunftsbaby erstmal da ist, werde ich ein Tagebuch für's erste Jahr besorgt haben.
Die nächste Schwangerschaft wird anders, wird bewusster. Angst davor habe ich keine, eher im Gegenteil. Ich freue mich, ich freue mich auf jeden Tag. In meiner ersten Schwangerschaft habe ich meine Freude oft überspielt, wollte nicht als gluckende Erstmama gesehen werden. Ich wollte solange wie möglich arbeiten, tough sein, alles noch hinbekommen bevor das Baby da ist. Ich habe mich selten mit meinem Bauch beschäftigt, weil ich die Zeit im Bauch nicht richtig zu schätzen wusste. Für mich war es quasi ein notwendiges Übel bis ich endlich mein Goldstück hätte. Hätte ich gewusst, ja auch nur geahnt, dass die Zeit im Bauch die einzige Zeit mit Baby werden wird, ich hätte jeden Tag als Kostbarkeit empfunden, denn das war es. Die Zeit und die Gelegenheiten sind verloren, unwiederbringlich vorbei. Alles was mir bleibt, sind die gedanklichen Erinnerungen und die Bilder mit ihr zusammen nach der Geburt.
Beim zweiten Kind wird alles anders, soviel steht fest. Ich werde mit positivem Schwangerschaftstest, das Bettchen kaufen. Den Wickeltisch fertig bauen. Kinderwagen und die Erstausstattung hatten wir ja bereits alles, eingerichtet war das Kinderzimmer aber noch nicht. Viele sagen, dass das gut gewesen sei, der Beweis dafür, dass man warten soll mit allem bis das Baby da ist. Für mich fühlt es sich anders an.  Das nächste Baby soll von Beginn der Schwangerschaft ein Zuhause haben, ein eigenes Zimmer mit allem drum und dran. Es soll wissen, dass alles schon auf es wartet, es keine Zweifel gibt, ob es diesmal kommt.
Übrigens bin ich der festen Überzeugung, dass mein zweites Kind ein Junge wird, fragt mich nicht warum. Ich stöber im Moment, obwohl nicht schwanger, permanent nach Babyzimmersachen  und Kleidung für Jungs. Wetten werden also angenommen.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Kinderwunsch

Das Thema Kinderwunsch ist doch recht speziell, wenn das Kind was eigentlich grade bei dir sein sollte und dich an alles denken lassen sollte außer an weitere Kinder, tot ist.
Mein Kinderwunsch ist seitdem erst so richtig durch die Decke gegangen. Kaum vergeht ein Tag an dem ich nicht daran denke.
Aber wo sollen denn auch die ganzen Muttergefühle hin? Wem kann ich so viel Liebe schenken, die sich da über 9 Monate in mir aufgebaut hat?
Wer sagt, man solle erst mal ein Jahr warten, ohne diese Erfahrung vollkommenen Verlusts und Leere gemacht zu haben, der weiß nicht, wie sehr sich meine Seele nach einem Baby sehnt.
Natürlich gibt es Sternenmamas denen der Gedanke an ein weiteres Kind abwegig erscheint, erst warten wollen. Aber es gibt eben auch Frauen wie mich, die nicht warten wollen.
Schnell muss man sich dem Vorwurf des Ersatzkindes stellen. Doch wie abwegig ist dieser Vorwurf? Kein Kind kann ein anderes ersetzen. Als Mutter kennst du dein Kind lange vor der Geburt, du weißt welche Lage es beim Schlafen gern hat und dich nicht boxt, du fühlst dein Baby zurück drücken, wenn du deine Hand auf deinen Bauch drückst. Selbst mein Hund kannte mein Baby schon im Bauch, jeden Morgen wurde der Bauch solange abgeleckt, bis Goldstück sich meldete, dann wurde mit dem Schwänzchen gewedelt und sich an meinen Bauch gekuschelt.
Dass das Goldstückchen für andere die Unbekannte Größe x ist, die in ihren Köpfen vielleicht bei einem zweiten Baby ersetzt wird, weil sie zu Baby 1 kein Bild haben oder wenn, dann nur von einem toten Säugling, dafür kann ich nun wahrlich nichts. Für mich wird mein Schatz immer die Erstgeborene bleiben. Und wer es tatsächlich schafft ein Baby mit einem anderen zu ersetzen, der tauscht wohl auch problemlos Menschen gegeneinander aus in Freundschaft und Partnerschaft.
Mein Zyklus kam mit erschreckender Routine pünktlich 28 Tage nach der Geburt. Schwanger bin ich bis heute nicht und die Angst nicht mehr schwanger werden zu können ist riesig.
Da bei der freien Trisomie18 auch die Plazenta Trisomie18 hat, hat diese vollkommen wirr Befehle an meine Schilddrüse gegeben, welche nun schlapp gemacht hat. Und ohne richtig funktionierende Schilddrüse kein Baby. Als ich dies noch nicht wusste, habe ich es verbissen mit Tees und allem möglichen Blödsinn versucht.
Seit einigen Tagen nehme ich Schilddrüsenhormone, aber generell setze ich mich mit dem Thema auseinander auf natürlichem Weg keine Kinder mehr bekommen zu können. Es macht mich traurig, nimmt aber andererseits auch völlig den Druck aus der Sache. Nun beschäftigte ich mich eben mit Bachblüten, Ohrakupunktur und ätherischen  Ölen bis zur nächsten Blutuntersuchung, schwanger zu werden ist ja eh erstmal unmöglich. Ich mache Sport, ich massiere  meinen Bauch, ich gehe zur Physiotherapie. Ich tue Dinge, die mir gut tun. Dinge mit denen ich ein gutes Verhältnis zu mir selber aufbaue, raus aus irgendwelchen Schuldgefühlen und dem Gefühl zu versagen wenn die Periode einsetzt. Ich kenne mein Ziel und aufgeben gehört nicht zu meinen Stärken. Das Ziel heißt Baby, ein Geschwisterchen für mein Goldstück dort oben im Himmel.